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Zentralformen von Robert Schaberl
In
den letzten Jahren hat Robert Schaberl eine Serie von Bildern mit dem Titel Zentralformen
entwickelt. Diese monochromatischen Bilder beziehen sich direkt auf das
Ursprüngliche des Malens - den Umgang mit dem Material - ohne sich damit
zwangsläufig einer Theorie des reduktiven minimalistischen Diskurses zu
verschreiben . Anstatt das Medium Malerei zu verwenden, um einen illusorischen
Raum zu gestalten, versucht Schaberl, die Beziehung, die sich durch die
Interaktion von Gemälde, Licht und Betrachter entwickelt, weiter zu erforschen.
Seine Arbeiten werden erst durch das Betrachten aus unterschiedlichen
räumlichen Positionen- im Abschreiten des Raumes - vollständig erfaßbar, denn
aufgrund einer konsequent gestalteten Bildoberfläche und der Reflexion des
Lichtes ändert sich Farb- und Raumwirkung im Bild.
Die strenge Reduzierung in diesen Arbeiten eröffnet neue Zugänge zur
visuellen Auseinandersetzung mit Malerei. Seine Arbeiten dienen nicht einem
symbolischen oder repräsentativen Zweck, verweisen nicht auf Äußeres, sondern
nur auf die im Bild selbst liegenden visuellen Werte ( Qualitäten). Die Sprache
(Das Materielle) in diesen Bildern ist streng verdichtet um sich völlig auf die
eigentliche Substanz auszurichten, die Tonalität und Sättigung von Farbe, deren
Modulationen durch die Einwirkung von Licht erst Leben gewinnen kann.
Die Zentralformen festigen die Authentizität der Malerei, nicht
in narrativer sondern in konnotativer Form; der Dialog über Wert, welcher in
dieser Arbeit verkörpert ist, läßt eine Wechselbeziehung in anderen Diskursen
zu.
Julien Robson
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Zwischen Windkanal und Trompetenpfifferling
Diejenigen,
die Robert Schaberl näher kennen, wissen, daß er ein notorischer Verführer ist.
Dies betrifft selbstverständlich in erster Linie seine Malerei und in zweiter
Linie, seine Pilzgerichte. Um dies näher zu verstehen, muß man eine Fülle von
Stunden mit Robert Schaberl im Atelier und in der Küche verbracht haben.
In seinen Zentralformen lenkt er den Blick, ver-führt den Betrachter
gewissermaßen zum räumlichen Sehgenuß durch reine Farbe und führt ihn zugleich
ihn einen ernsten Konflikt. Der Betrachter wird im Sog der Zentralform hilflos
subtilen Variationen in Farbtonigkeit, Oberflächenstruktur und Lichtbündelung
ausgeliefert. Gegenüberstellungen dieser gemalten Manifestationen verstärken
noch die Suggestion. Erst nach längerer Bildbetrachtung eröffnen sich nach den
Raum-Tempi auch die einzelnen Farb-Welten der unterschiedlichen Lasuren. Die
Les- oder besser Seh-barkeit ist variabel. Gleitet der Blick bei der einen
Zentralform von den äusseren Rändern kommend noch sanft rhythmisch
zirkulierend, aber unaufhaltsam hin zur Mitte, entwickelt sich bei einem
anderen Werk durch die Oberflächenstruktur ein unglaublicher Sog, der den Blick
in unahnbare Tiefen mit sich reisst. Der Raum als Windkanal, die Farbe als
Explosivgeschoß und die Zeit der Bildbetrachtung als Schlüssel zum Verständnis
der gemalten Geschwindigkeit. Gerade die Berliner Luft führte in den letzten
beiden Jahren zu einer Erweiterung und Vertiefung der Farbensprache.
Die Zentralformen von Robert Schaberl sind in ihrer Faszination
existentielle Grunderfahrung und Bedrohung zugleich. Durchatmen und hinschauen
oder abwenden heißt die Alternative; so scheint es. Der Raum ist eine Art
leerer Aggregatzustand, der vom Betrachter durch den Prozeß einer aktiven
Anschauung zu füllen ist. Um eine solche Malerei zu schaffen, muß sich der
Künstler innerlich in das zu Schöpfende versetzen, d.h. der Künstler strebt
eine Identität an, die in den Kern des Daseins zurückgreift, wo noch keine
Entzweiung stattgefunden hat.
Diese Intensität im Schaffensprozeß ist mit der Freisetzung von Energien
und Kräften zu vergleichen, wie sie auch beim Pilzesuchen vorkommen. Die
sinnliche Erfahrung durch Sehen, Spüren, ja beinah Hören und Atmen der Farben
und des Raumerlebnisses wird zum Schlüssel und Wegweiser.
Der Schaffensprozeß im Atelier findet schließlich sein kongeniales
Pendant im Wald. Auch hier bilden der Schaffende und das zu Erschaffende schließlich
eine Einheit. Um dies anschaulich zu demonstrieren, sei an dieser Stelle ein
Original Schaberl-Rezept für eingelegte Pilze wiedergegeben: Nach einem
erfrischenden Herbstregen kommen wir mit einer Ausbeute an Steinpilzen, jungen
Maronenröhrlingen, Trompetenpfifferlingen und Semmelstoppelpilzen zurück. Nach
dem Säubern werden die Pilze in einem Sud aus Weißwein und Weinessig
blanchiert. Pfeffer und Thymian werden dazu gegeben. Nach dem vollständigen
Abtropfen der Pilze werden diese in Schraubverschlußgläser gegeben und in eine
Mischung aus bestem Olivenöl, Salz, Pfeffer, Thymian, Salbei und Senfkörnern
eingelegt. Kühl gelagert halten sich die Pilze eigentlich bis zu einem Jahr.
Aber nur in seltenen Fällen kann dieser Verführung widerstanden werden.
Der angespannten Dynamik im Entstehungsprozeß der gemalten Werke steht
die stoische Ruhe beim Suchen und Verarbeiten der Pilze gegenüber. Wie wir
gesehen haben, entziehen sich die Farbräume Robert Schaberls jeder genauen
Beschreibung und Vereinnahmung. Durch ihren Verzicht auf Gegenständlichkeit
verunsichern Farbe und Raumerfahrung als bildkonstituierende Elemente den
Betrachter.
Farbräume und Pilzträume sind nicht meßbar, der Connoisseur ist ihnen
schutzlos ausgeliefert. Der eigene feste Standort muß zugunsten eines Seh- und
Schmeck-Abenteuers aufgegeben werden. Derjenige, der sich mit Robert Schaberl
auseinandersetzt, erhält die Möglichkeit zu erkennen, daß sich nicht nur der
gemalte Raum stetig wandelt und neu erschafft, also ein vorübergehender Zustand
mit unterschiedlichsten Qualitäten ist, sondern dies auch in besonderem Maße
für die Pilzgerichte gilt. So ist Sehen und Schmecken immer Präsenz und
verlangt nach einer wahrhaft persönlichen Hingabe.
Harald Krämer
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